Es begab sich zu der Zeit, als Jimbo Wales die Wikipedia erfand und die Idee auch in Deutschland Anhänger fand.
Der CCC, auch Chaos Computer Club genannt, war und ist in der öffentlichen Meinung nicht sehr positiv angesehen. „Das sind eben die Hacker, die in fremden Computer einbrechen und Daten stehlen. Das sind die Leute die den ganzen Tag vor ihrem Computer hängen und wochenlang kein Sonnenlicht sehen.“ Mit so einem Image ist natürlich kein Blumentopf zu holen, um in der öffentlichen Meinung eine gewichtige Rolle zu spielen. Da ist es dann auch egal, wenn im CCC nicht nur Computerfreaks zu finden sind.
Aber wie auch immer. 2001 wurde die Wikipedia aus der Taufe gehoben. Unsere Freunde vom CCC waren darüber schnell informiert und waren auch die ersten die sich am Aufbau der Enzyklopädie beteiligten. Zuerst hatten sie wahrscheinlich gar keine weitergehenden Ambitionen. Das Projekt war noch klein und unbekannt. Aber schnell, spätestens mit dem Spiegelartikel im Jahr 2004, wurde es auch der breiten Öffentlichkeit bekannt. Jetzt war natürlich klar, dass mit einer weiteren Verbreitung und einem immer besser werdenden Google-Ranking die Bedeutung von Wikipedia wächst. Hier war jetzt die ideale Plattform gefunden, um dem CCC genehme Ideen und Meinungen ins Netz und damit unter die Leute zu bringen. Nur wurde daraus nichts, da sich nun vermehrt CCC-fremde Autoren an der Wikipedia beteiligten. Die Themen des CCC ging dabei völlig unter. Auf einmal beherrschte das so verachtete Bildungsbürgertum die Wikipedia.
Es konnte jedoch so nicht weitergehen mit der politischen Sprachlosigkeit der Hacker. Man versuchte es hier und da mit verschiedenen Vereinen oder Aktionsbündnissen. Erst die Idee der Piratenpartei, 2006 in Schweden entstanden erschien, erfolgsversprechend. Also begann man mit dem Aufbau einer Partei und war bei den Wahlen in Deutschland auch recht erfolgreich.
Irgendwann fiel dann das Augenmerk wieder auf die Wikipedia und deren erstklassiges Google-Ranking. Also die ideale Propaganda-Plattform.
Ein Versuch wurde unter anderem mit einem Eintrag zum einem Zusammenschluss von Personen unternommen, der im Zusammenhang mit der Debatte zum Zugangserschwerungsgesetz bekannt wurde. Schnell landete dieser Artikel in einer Löschdiskussion, weil von vielen Autoren eine Relevanz für eines solchen Verein außerhalb des Kontextes des Gesetzes nicht gesehen wurde. Das rief natürlich den Chef-Propagandisten und Verschwörungstheoretiker der CCC-Szene auf den Plan. Mittels Blog- und Twitter-Welle begann sofort eine Hetzkampagne auf die Wikipedia und die in seinen Augen schädlichen Relevanzkriterien und Richtlinien. Ziel ist es natürlich die Autoren mürbe zu machen, damit der CCC und ihr politischer Flügel die Piratenpartei, ihre politische Propaganda auf der Plattform Nummer 1 kostenlos unterbringen können. Da wäre es natürlich ganz nützlich, wenn es außerdem keine Relevanzkriterien bzw. eine Eingangskontrolle gäbe. Man könnte die eigenen Positionen dann problemlos unterbringen und verbreiten.
Die Wikipedia wird heute in der Öffentlichkeit weitgehend kritiklos konsumiert, von daher ist es natürlich äußerst effektiv, sich hier strategisch günstig zu positionieren. Nur sollten man dann nicht außer acht lassen, dass auch andere nicht von gestern sind. Wie die Vergangenheit gezeigt hat, haben schon Parteien und politischen Gruppierungen aller Richtungen die „Macht“ der Wikipedia entdeckt. Es wäre ein Schuss ins Knie wenn man durch egoistisches Handeln den undemokratischen Kräften in diesem Lande in Hände spielt.
