Liesels Artikel

Beiträge vom November 2009

Wie der CCC die Meinung manipulieren will

15. November 2009 · 3 Kommentare

Es begab sich zu der Zeit, als Jimbo Wales die Wikipedia erfand und die Idee auch in Deutschland Anhänger fand.

Der CCC, auch Chaos Computer Club genannt, war und ist in der öffentlichen Meinung nicht sehr positiv angesehen. „Das sind eben die Hacker, die in fremden Computer einbrechen und Daten stehlen. Das sind die Leute die den ganzen Tag vor ihrem Computer hängen und wochenlang kein Sonnenlicht sehen.“ Mit so einem Image ist natürlich kein Blumentopf zu holen, um in der öffentlichen Meinung eine gewichtige Rolle zu spielen. Da ist es dann auch egal, wenn im CCC nicht nur Computerfreaks zu finden sind.

Aber wie auch immer. 2001 wurde die Wikipedia aus der Taufe gehoben. Unsere Freunde vom CCC waren darüber schnell informiert und waren auch die ersten die sich am Aufbau der Enzyklopädie beteiligten. Zuerst hatten sie wahrscheinlich gar keine weitergehenden Ambitionen. Das Projekt war noch klein und unbekannt. Aber schnell, spätestens mit dem Spiegelartikel im Jahr 2004, wurde es auch der breiten Öffentlichkeit bekannt. Jetzt war natürlich klar, dass mit einer weiteren Verbreitung und einem immer besser werdenden Google-Ranking die Bedeutung von Wikipedia wächst. Hier war jetzt die ideale Plattform gefunden, um dem CCC genehme Ideen und Meinungen ins Netz und damit unter die Leute zu bringen. Nur wurde daraus nichts, da sich nun vermehrt CCC-fremde Autoren an der Wikipedia beteiligten. Die Themen des CCC ging dabei völlig unter. Auf einmal beherrschte das so verachtete Bildungsbürgertum die Wikipedia.

Es konnte jedoch so nicht weitergehen mit der politischen Sprachlosigkeit der Hacker. Man versuchte es hier und da mit verschiedenen Vereinen oder Aktionsbündnissen. Erst die Idee der Piratenpartei, 2006 in Schweden entstanden erschien, erfolgsversprechend. Also begann man mit dem Aufbau einer Partei und war bei den Wahlen in Deutschland auch recht erfolgreich.

Irgendwann fiel dann das Augenmerk wieder auf die Wikipedia und deren erstklassiges Google-Ranking. Also die ideale Propaganda-Plattform.

Ein Versuch wurde unter anderem mit einem Eintrag zum einem Zusammenschluss von Personen unternommen, der im Zusammenhang mit der Debatte zum Zugangserschwerungsgesetz bekannt wurde. Schnell landete dieser Artikel in einer Löschdiskussion, weil von vielen Autoren eine Relevanz für eines solchen Verein außerhalb des Kontextes des Gesetzes nicht gesehen wurde. Das rief natürlich den Chef-Propagandisten und Verschwörungstheoretiker der CCC-Szene auf den Plan. Mittels Blog- und Twitter-Welle begann sofort eine Hetzkampagne auf die Wikipedia und die in seinen Augen schädlichen Relevanzkriterien und Richtlinien. Ziel ist es natürlich die Autoren mürbe zu machen, damit der CCC und ihr politischer Flügel die Piratenpartei, ihre politische Propaganda auf der Plattform Nummer 1 kostenlos unterbringen können. Da wäre es natürlich ganz nützlich, wenn es außerdem keine Relevanzkriterien bzw. eine Eingangskontrolle gäbe. Man könnte die eigenen Positionen dann problemlos unterbringen und verbreiten.

Die Wikipedia wird heute in der Öffentlichkeit weitgehend kritiklos konsumiert, von daher ist es natürlich äußerst effektiv, sich hier strategisch günstig zu positionieren. Nur sollten man dann nicht außer acht lassen, dass auch andere nicht von gestern sind. Wie die Vergangenheit gezeigt hat, haben schon Parteien und politischen Gruppierungen aller Richtungen die „Macht“ der Wikipedia entdeckt. Es wäre ein Schuss ins Knie wenn man durch egoistisches Handeln den undemokratischen Kräften in diesem Lande in Hände spielt.

Kategorien: Politik · Wikipedia
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Ist git für die Wikipedia geeignet?

13. November 2009 · 4 Kommentare

Scytale entwickelt unter dem Namen „Levitation“. eine Alternative zu MediaWiki. Ist das eine geeignete Alternative für Wikipedia.

Die Sache funktioniert nur, wenn man auch ohne den Download irgendwelcher Daten mitmachen kann. Wenn durch eine solche Maßnahme die Eintrittschwelle erhöht wird, bleibt der Kreis der Autoren naturgegen klein und wird sich in der Regel wieder auf das altebekannte Spektrum (weiß, jung, computer- & netzaffin) stützen. Damit ist keine allgemeine Enzyklopädie machbar, eher ein Nerdlexikon. Es ist also der Aufbau einer Serverfarm erforderlich. Hierbei ist vor allem auf die Performance zu achten. Derzeit hat die deutsche Wikipedia ca. 700.000 Edits im Monat (ca. 23.000 am Tag, 16 Edits in der Minute). Zu Hochzeiten sind das auch schon mal 40-50 Edits. Die englische WP hat 4.000.000 Edits im Monat (1,5 Edits je Sekunde).

Außerdem scheint in diesem System die Mitwirkung von nicht angemeldeten Benutzern unmöglich zu sein. Damit würde ein wichtiger Teil der Benutzer unwiederbringlich wegfallen.

Soweit die technischen Aspekte. Wie sieht es mit der Manipulierbarkeit aus. Bisher werden vor allem kontroverse Artikel von vielen Benutzer beobachtet und auf einem Stand gehalten, der von der Mehrheit akzeptiert wird. In Zukunft kann eine Gruppe von Personen eine Artikelversion puschen, die ihren Vorstellungen entspricht. In diesem System brauch’ man nur genügend Accounts um eine entsprechende Manipulation zu erreichen. Die Sockenpuppenproblematik wird dann noch gefährlicher. Auch wird in diesem System die Meritokratie noch mehr gefördert. Ein Neuling hat nicht viele oder keine „Followers“ und hat es demgegenüber schwer in einer vorhanden Gruppe akzeptiert zu werden. Insofern ist das System sogar wesentlich anfälliger für den Ausschluss bestimmter Personen von der Akzeptanz ihrer Arbeit.

Die Idee die dahinter steht ist an und für sich nicht schlecht, ob sie jedoch für den Einsatz zum Schreiben einer Enzyklopädie eignet, ist in meinen Augen nicht abschließend geklärt.

Kategorien: Wikipedia
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Einer kennt den Weg?

12. November 2009 · Kommentar schreiben

Kristian Köhntopp meint zu wissen, warum Wikipedia nicht funktioniert.

In vielen Symptomen hat er recht. Nur erkennt er den Unterschied nicht, zwischen einer Usenet-Gruppe mit 4-5 „Administratoren“ und der Wikipedia mit geschätzten 100-150 Administratoren, die aller Unkenrufe zum trotz keine homogene Masse sind. Dazu kommen über Tausend täglich aktive Autoren. Bei den täglichen Änderungen waren wir mal bei rund 60.000.

Es ist nicht mehr möglich diese vielfältige Community wie eine kleine Usenet-Gruppe zu führen.

Kategorien: Wikipedia
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Wikipedia-Fork gut oder schlecht?

5. November 2009 · 1 Kommentar

Derzeit kommt ja von verschiedenen Seiten, die Idee eines Wikipedia-Forkes, der weitgehend auf Relevanzkriterien verzichtet und stattdessen mehr Artikel erwartet.

Was wäre die Konsequenz für die bisherige Wikipedia?

Die bisherigen Forks haben bisher gezeigt, dass es das Problem Nummer 1 ist, genügend Mitarbeiter zu begeistern die beständig mitarbeiten. Eine fluktuierende Mitarbeiterschaft bringt ständig Veränderung aber auch ständige Diskussionen, aber auch die Gefahr dass bestimmte Sachen nicht getan werden.

So ein Wiki muss also erstmal eine kritische Masse erreichen, damit die täglichen Wartungsarbeiten zuverlässig erledigt werden können.

Ich sehe deshalb erst einmal kurzfristig keine Gefahr für die Wikipedia. Sollte ein Fork wirklich erfolgreich sein, könnten sich zwei Szenarien entwickeln.

Die eine Möglichkeit wäre eine noch elitärere Aufstellung der Wikipedia mit einer noch strengeren Abgrenzung was Mitarbeiter und Artikelgegenstände betrifft. Eine solche Entwicklung halte ich jedoch für kontraproduktiv, da dies Mitarbeiter aus dem Projekt drängt, auch solche die relevante Themen bearbeiten.

Die andere Möglichkeit wäre die, dass sich die Wikipedia in die andere Richtung entwickelt und noch offener wird. Hier wäre dann die Problematik, dass man eventuell einem Trend hinterher läuft.

Voraussetzung für alle diese Gedankenspiele ist jedoch, dass ein Fork gegenüber der Wikipedia wirklich konkurrenzfähig ist. Eine irgendwie geartete Variante von Deletionpedia, Wikiwaste oder wie auch immer wird dies nicht sein. Es gehört mehr dazu, als nur gelöschte Artikel zu sammeln.

Außerdem muss man, wenn man wirklich erfolgreich sein will, von den vielen Spezialwikis Benutzer abwerben. Ob diese freiwillig, eine gut funktionierende kleine Community verlassen und sich auf das Abenteuer einer nicht skalierenden unübersichtlichen Gemeinschaft einlassen, ist mehr als fraglich.

Kategorien: Wikipedia

Herrn Kompas Unsinn

4. November 2009 · Kommentar schreiben

Markus Kompa meint zu wissen, warum die Wikipedia keinen Fork zu lassen will.

Da wird die Wikipedia schon mal schnell auf die Löschdiskussionen reduziert. Wer natürlich so einen begrenzten blickwinkel hat, bemerkt dabei gar nicht, dass trotzdem täglich rund 400 – 500 Artikel eingestellt werden. Über die unzähligen Verbesserungen und Aktualisierungen wollen wir gar nicht reden. Wenn man natürlich so schnell dabei ist, andere Menschen pauschal abzuqualifizieren, muss man sich nicht wundern, wenn diese solche Statements wie die von Herrn Kampa gar nicht ernstnehmen.

Hier kann man nur erkennen, dass Herr Kompa die Realität in der Wikipedia in keinster Weise wahrnimmt. Auch in einem coolen neuen Flügel des Wissens werden sich die Experten nicht lange aufhalten. Irgendwann kommen dann die Allesbesserwisser, die den Experten keinerlei Glauben schenken und diese solange in Diskussionen verwickeln bis diese entnervt aufgeben.

Das Problem wird nicht durch mehr Freiheit gelöst. Der Experte will in seinem Bereich unter seinesgleichen sein und sich nicht von anderen Laien und Halbiwssenden reinreden lassen.

Aber vielleicht ist die Gründung einer Omnipedia gar nicht schlecht. Da können die Meckersäcke, Weltverschwörer endlich die Plattform finden, die sie schon immer gesucht haben.

Kategorien: Wikipedia
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