Ohne Juristen, nicht besser aber besser dran

Im Telemedicus fordert Simon Möller die Wikipedia in juristische Formen und Normen zu fassen.

Für einen Juristen ist das ein nachvollziehbarer Standpunkt. Bieten sich doch dadurch neue Möglichkeiten der Arbeitsplatzsicherung. Für die Erstellung einer Enzyklopädie, noch dazu einer im Internet, ist dies jedoch nachteilig.

Möller geht davon aus, dass die Wikipedia ein rechtsfreier Raum ohne Regelungen und Normierungen ist. Er schließt von den Angaben zur Benutzeranzahl, den Erschwernissen beim Einstieg, auf Grund von Begriffen wie „Adminwillkür“ etc. darauf, dass Wikipedia der Hilfe von Juristen bedarf.

Von seiner Unkenntnis über die Festlegung von Regeln (Stichwort: Meinungsbilder) schwenkt sein Blick schnell auf die Leser bzw. Bürger die eines Rechtsschutzes bedürfen. Beides hat miteinander nichts zu tun und sollte auch nicht miteinander verquickt werden.

Nun mal ein paar Gedanken, warum der Einzug der Jurisprudenz in die Wikipedia wenig Sinn macht.

Nach Außen hin, steht die Wikipedia durchaus unter der Kontrolle der öffentlichen Rechtsordnung. Genauso wie andere Seiten im Internet auch. Hier kommt halt die Problematik dazu, dass die nationalen Gesetze und die Rechtssprechung schwer durchsetzbar sind. Insofern wäre eine Art „Internationales Internetrecht“ ala „Internationalem Seerecht“ langsam einmal einzuführen. Dies ist aber auf einem anderen Blatt.

Möller spricht von fehlenden Leitungsstrukturen und fehlenden rechtlichen Regelungen. Inzwischen gibt es in der Wikipedia nicht zu viele, sondern eher zu viele Regelungen. Wie auch im wirklichen Leben führt das zu widersprüchlichen Aussagen, Regelungslücken und Personen die diese ausnutzen. In der Folge werden die Lücken dann manchmal geschlossen. In Wikipedia werden die Regelungen aber nicht durch Einzelne ausgearbeitet und beschlossen. Hier hat jeder die Möglichkeit seine eigenen Ideen, Vorschläge und Bedenken einzubringen. Somit ist gewährleistet, dass die Regelungen von der überwiegenden Zahl der Benutzer anerkannt werden. Ja, im Gegensatz zum Staat ist hier der notwendige Aufwand zur Durchsetzung dieser Regelungen wesentlicher geringer. Außerdem hat hier jeder die Möglichkeit, fast jederzeit ihm missliebige Regelungen zu diskutieren.

Möller spricht davon, dass „die eigentliche Aufgabe von Recht und Rechtswissenschaft: Organisationsabläufe zu erleichtern; Macht fass- und damit kontrollierbar zu machen; Willkür zu vermeiden“ ist.

Die Macht in der Wikipedia ist sehr genau fassbar und auch kontrollierbar. Durch entsprechende Logbücher ist beinahe jede administrative Handlung nachvollziehbar und durch jeden Benutzer kontrollierbar. Der Begriff der „Willkür“ wird immer dort laut, wo keine haarklein festgeklopften Regelungen bestehen, wo vieles dem Ermessen des Einzelnen anheimgestellt ist. Aber auch hier wirkt die Kontrolle der Autorengemeinschaft. Ob eine Entscheidung im Sinne der Mehrheit ist oder nicht, kann schnell festgestellt werden und eine Entscheidung eines Administrators kann ohne große Verfahren wieder aufgehoben werden.

Der Erfahrungsschatz aus Jahrhunderten Rechtswissenschaften kann helfen, bestimmte Regelungen klarer zu formulieren und Verfahren effizienter zu gestalten. Eine vollkommenen Unterordnung der Wikipedia unter einem Rechtsrahmen behindert aber die dynamische Entwicklung der Wikipedia.

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