Krach. Bumm. Peng.

Gestern und heute kamen einige Nachrichten über meine Twitter-Timeline, in denen sich die Autoren ereiferten, dass in den deutschen Nachrichten (im Netz, im Fernsehen etc.) vor allem die Wahl in Hamburg und der Fall Guttenberg thematisiert werden anstatt von den Protesten in Libyen zu berichten.

Was sieht man denn aber nun, wenn man sich die Bilder der Proteste anschaut? Die Bilder sind weitgehend auswechselbar, ob es jetzt Tunis, Kairo oder Bengasi ist. Der Nachrichtenwert solcher Protestierender ist relativ gering. Natürlich könnte jetzt der eine oder andere sagen: „Hier wird Weltgeschichte geschrieben“. Natürlich könnte das der Fall sein.

Im Gegensatz zu 9/11 gibt es aber bei der Übertragung von den Protesten keine dramatischen Momente, außer man hofft darauf, dass die Armee in die Menschenmassen schießt und dann das Blut ordentlich spritzt. Die wirklich dramatischen und spannenden Sachen (Diskussionen und Beratungen von Gaddafi & Co.) werden bei solchen Ereignissen relativ selten live übertragen.

Wenn alles gut ausgeht, kommt eine Rücktrittsrede und die Volksmassen jubeln oder die Proteste werden im negativen Falle zusammengeschossen. Natürlich können dies bewegende Momente sein und man freut sich mit, wenn es einem Volk gelingt sich eine freie demokratische Ordnung zu geben. Im Gegensatz zu den Ereignissen im Herbst 1989 in Deutschland, sind die Proteste viel zu weit weg für die meisten von uns. Nicht nur geografisch, sondern auch persönlich und man geht sehr schnell wieder zur Tagesordnung über.

Auf der anderen Seite nimmt man es gar nicht mehr war, was es heißt in einem freien Land zu wohnen. In einer Diktatur ist es nicht möglich, öffentlich über die Doktorarbeit eines Ministers zu diskutieren und diesen des plagieren zu beschuldigen, ohne mit Konsequenzen zu rechnen. Auch eine Wahl bei der es zu einem Wechsel der Regierung kommt und dieser auch weitgehend geräuschlos vonstatten geht, ist ein Umstand der nicht überall gegeben ist.

„Krach. Bumm. Peng.“ ergeben zwar ein schönes Unterhaltungsprogramm, am besten 24/7 live und in Farbe, sind aber nichts wert, wenn man selber nicht in Freiheit lebt.

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Über Liesel

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Eine Antwort zu Krach. Bumm. Peng.

  1. feliksdzerzhinsky schreibt:

    „Rücktrittsrede und die Volksmassen jubeln“ – nein, im Gegenteil: es formiert sich eine formidable „pro-Guttenberg“-Bewegung:
    Uneingeschränkte Solidarität mit Dr. zu Guttenberg!

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