Wikipedianer …. und gehen

ESO-L. Calçada - Pluto (by)
Wikipedia-Mitarbeiter verlassen nicht nur aus Frust das Projekt. Manche sterben auch. Anfang Juli ging NebMaatRe viel zu früh von uns.

Von denen die freiwillig das Projekt verlassen. Hinterlässt so mancher eine Botschaft wie Roterraecher und Harro von Wuff. Diese Botschaft sind in der Regel sehr subjektiv und laden zum diskutieren ein.
Sunset view at Paranal with Moon, Venus and an AT
Roterraecher hat eher eine pessimistische Sicht auf das Projekt. Wikipedia wird von vielen sehr ernst genommen. Wikipedia ist ein Platz wo viele im Internet verstreute Informationen zusammengetragen werden. Ob eine Quelle wirklich seriös ist, ist dabei eher zweitrangig.

Auch bei Wikipedia läuft der gleiche enzyklopädische Prozeß wie beim Erstellen einer gedruckten Enzyklopädie. Es wird abgewogen, welche Informationen und Fakten aufgenommen werden und in welchem Verhältnis (Artikel) zueinander gestellt werden. Vielfach ist in der Wikipedia zu beobachten, dass Informationen nicht in vorhandene Artikel eingebracht werden, sondern ein neuer Artikel angelegt wird. Dabei besteht natürlich die Gefahr, dass viele wichtige Informationen in so einem Artikel am Anfang fehlen und eventuell sogar Redundanzen zu anderen Artikeln auftreten. Das damit auch eventuell die Möglichkeit vertan wird, Wissen (Zusammenhänge) zu schaffen übersieht mancher.
Konji-Zeljko
Man kann das als das alte Dilemma „Quantität vs. Qualität“ oder „Inklusion vs. Exklusion“ beschreiben. Ich halte aber gerade diesen Diskussionsprozeß für die Wikipedia für wichtig. Vor allem da er öffentlich geführt wird, ist meist nachvollziehbar warum eine Entscheidung getroffen wurde.

Ich persönlich würde mich ja auf der Seite der qualitativen Inklusionisten einordnen. Zum einen halte ich viele Themen für artikelfähig. Auf der anderen Seite sehe ich jedoch das Unvermögen vieler Autoren, sich intensiv mit einem Thema zu befassen und so ein Thema schon am Anfang relativ umfassend darzustellen.
Ctiněves, železniční zastávka
Mal ein kleines Beispiel. Im Bahnbereich herrscht die von mir geteilte Ansicht vor. Das Bahnhöfe zu allererst im Streckenartikel zu beschreiben sind. Die Bahnstreckenartikel sind im Konzept des Bahnbereiches das zentrale Element um das mehr oder weniger alle anderen Artikel kreisen. Ein Bahnhof hat die überwiegende Anzahl seiner Informationen (Eröffnung, Stilllegung, Betriebsaufkommen) mit den Strecken gemeinsam. Unterschiede gibt es vor allem, wenn es sich um spezielle Bahnhofsgebäude geht oder die städtebauliche Einordnung beschrieben wird. Aber wenn man sich mal die Artikel zu Bahnhöfe anschaut, erschöpfen sie sich vielfach in den normalen Streckeninformationen (Eröffnung, derzeitiges Betriebsaufkommen, Stilllegung). Individuelle Informationen zum Bahnhof, die ihn überhaupt erst zu einem Objekt von Interesse macht sucht man meist vergeblich. Somit gibt es kaum Probleme, die wenigen bekannten individuellen Infos zum Bahnhof im Streckenartikel abzuhandeln. Aber auf Grund des an sich relevanten Themas gibt es zu Bahnhöfen regelmäßig harte Diskussionen in den Löschdiskussionen.

Roterraecher ist in soweit zuzustimmen, dass in den Löschdiskussionen kaum noch sinnvolle Diskussionen geführt werden. Jedes Zurückweichen von der eigenen Position wird als Niederlage empfunden und das zur Entscheidung stehende Thema wird von Inklusionisten und Exklusionisten zur Grundsatzentscheidung stilisiert. Somit scheiden leider derzeit die Löschdiskussionen als effektives und dynamisches Element zur Verbesserung der Enzyklopädie aus.

Das auf Grund dieses Konfliktes die Umgangsformen leiden ist ein weiterer negativer Aspekt.
Bono Edge Foxboro 09212009 U2360
Harro ist insofern zuzustimmen, dass die meisten „Idealisten“ fort oder untergetaucht sind. Auch der von ihm festgestellte Mangel an engagierten und zuverlässigen Mitarbeitern. Portale und Projekte gehen ein, weil das Interesse vieler Benutzer nur bis zum nächsten Wochenende reicht oder die zuverlässigen Mitarbeiter durch andere Benutzer solange attackiert werden, bis diese entnervt ihre Mitarbeit einstellen. Nicht das diese dann gleich die Wikipedia verlassen. In der Regel verkriechen sie sich in irgendeine Artikelecke und hoffen dort so wenig wie möglich gestört zu werden.

Ja, auch der Umgang mit manch einem Dauer-Troll oder -störer nervt. Vor allem wenn man erkennt, dass diejenigen die die Möglichkeiten haben, entsprechend aktiv zu werden, angestrengt wegschauen.
Not yet covered - Mud Fest 2008
Vielfach ist Wikipedia heute nur noch Arbeit. Die Freude ist dahin. Hat sich die Wikipedia geändert oder nur der Blick der Autoren auf das Projekt?

Wichtig wäre es die Freude und den Spass in die Wikipedia zurückzuholen. Autoren die nur noch Dienst nach Vorschrift machen nützen niemanden.

Advertisements

Über Liesel

Wikipedia-Autor
Dieser Beitrag wurde unter Wikipedia abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Wikipedianer …. und gehen

  1. Felix Stember schreibt:

    Ja genau. Der magelnde Spaß ist der Grund, warum ich dem Projekt dann nach fast 6 Jahren ebenfalls den Rücken gekehrt habe. Es hat einfach keinen Spaß mehr gemacht, Artikel zu exotischen Themen zu schreiben, auszubauen oder zu verbessern. Man musste jeden Schritt, jeden Edit, jeden Satz, jeden Absatz, jedes Bild verteidigen, sich rechtfertigen. Und das ist mir meine Freizeit nicht wert. Da mach ich doch lieber was anderes.

  2. Achim Raschka schreibt:

    „In der Regel verkriechen sie sich in irgendeine Artikelecke und hoffen dort so wenig wie möglich gestört zu werden.“ – Nuya, ich denke, dass auf mein Corinth-Projekt genau das zutrifft. Mal sehen, wann auch diese Nische von Leuten entdeckt wird, die das alles in den Hauptartikel integriert wissen wollen.

    Zu den Bahnhöfen: Nö, ein Bahnhof, der in der Denkmalliste verzeicnet ist, hat auch abseits des Streckenartikels seine Berechtigung …

  3. liesel73 schreibt:

    Zu Bahnhöfen in Denkmallisten. Aber auch nur, weil mal jemand festlegte, Objekte in solchen Listen sind relevant. Warum, weshalb, wieso erfährt man meist nicht.

    Ein Fachmann schrieb mal dazu, dass unter Umständen jedes alte Gebäude unter Denkmalschutz stehen kann, auch wenn es nicht in eine Liste eingetragen ist. Andererseits kann auch die Denkmalschutzeigenschaft bei entsprechenden Veränderungen auch verlustig gehen.

    Deshalb habe ich dieses (POV)-Argument mal nicht erwähnt.

    Und auch in der Redaktion:Lebewesen werden Lebewesenartikel gelöscht, wenn diese irgendwelchen von den Benutzern festgelegten Qualitätsanforderungen nicht entsprechen.

    • smial schreibt:

      Baudenkmäler, die in offiziellen Listen verzeichnet und an die übergeordenten Behörden gemeldet sind, unterliegen den jeweiligen Gesetzen und Verordnungen. Zumindest in NRW. Darüber hinaus gibt es aber noch „denkmalwürdige“ Gebäude, das sind gewissermaßen Kandidaten für eine offizielle Listung. Diese wiederum stehen oft in Denkmalbereichen. Soweit ich das verstanden habe, gelten solcherlei Bauten, die in offiziellen Listen aufscheinen, als automagisch relevant. Die anderen nicht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s