Hilfe ich bin ein Hauptautor

In der Wikipedia gibt es immer mal wieder Diskussionen um den sogenannten Status eines „Hauptautoren„.

In der Regel versteht man darunter denjenigen/diejenigen Benutzer, der/die den größten Teil eines Artikels geschrieben hat/haben. Es gibt da verschiedene Programme, die dabei helfen diesen Benutzer zu ermitteln.

Die Lizenz GFDL verlangt die Angabe der Hauptautoren. Auf Grund der schwierigen Ermittlung, vor allem bei umfangreichen Artikeln, werden in der Regel alle Autoren angegeben.

Ansonsten haben Hauptautoren in der Wikipedia keine besonderen Rechte. Trotzdem kommt es immer wieder zu Streitigkeiten, in denen ein Benutzer seine sogenannten Rechte als Hauptautor anführt. Ich halte dies für vorgeschobene Argumente, um sich der Sachdiskussion zu entziehen.

Ja man könnte auch sagen, dass die Durchsetzung der Artikelhoheit eines „Hauptautors“ ein Verstoß gegen die Lizenz ist, da diese ausdrücklich eine Veränderung der Artikel ermöglicht. Es gibt dann wenige Mittel gegen einen solchen Benutzer vorzugehen. Da es meistens gute Autoren sind, die das Argument „Hauptautor“ anführen, wird meist von administrativen Eingriffen zurückgeschreckt.

Wenn ein Artikel einmal ein gewisses Ausbaustadium erreicht hat, gibt es kaum noch inhaltliche Veränderungen. Vielleicht kommt es mal hier oder da zu einer Aktualisierung. Aber im groben kommt es zu keinen strukturellen Änderungen mehr. Am Textkorpus kann man so auch noch nach längerer Zeit die Hauptautoren bestimmen. Die einzigen Änderungen die nun Geschehen ist das Einfügen von Bildern, Vorlagen bzw. Formatierungen des Textes oder der Bilder. Also nichts gravierendes, welches den Textkorpus verändert.

Nun erfolgt aber der Auftritt unseres Hauptautors. Dieser lehnt in der Regel viele dieser fast schon nebensächlichen Änderungen ab. Als Argument kommt dann in der Regel: „Ich als Hauptautor, sage wo es langgeht.“

So ein Verhalten ist in meinen Augen gegen das Wiki-Prinzip. In dem sich Benutzer quasi Eigentumsrechte an einem Artikel geben, hat dieser Artikel nicht die gleiche Möglichkeit weiterentwickelt und verbessert zu werden. Natürlich ist es sinnvoll, wenn Benutzer die von ihnen geschriebenen Artikel im Auge behalten, um z.B. Vandalismen zu beseitigen oder Verfälschungen zu verhindern.  Die Grenze ist aber meiner Meinung nach dort erreicht, wo jeglicher Edit revertiert wird, auch solche, die keinerlei inhaltliche Veränderung bewirken.

Für einen Benutzer der auf einen solchen „Hauptautor“-Benutzer trifft, ist eine solche Begegnung vielfach erschütternd. Für einen Neuling kann dies schon das Ende seiner Wikipedia-Mitarbeit sein. Ein langjähriger Wikipedia-Benutzer wird auf Grund solcher Erfahrungen bestimmte Sachgebiete der Wikipedia dann meiden.

Das Ergebnis ist dann meist, dass bestimmte Bereiche eine lange Zeit in ihrem eigen Saft schmoren. Einflüsse von außen dringen kaum durch und es setzt eine Periode der Stagnation und Unkreativität ein. Der Verwalter  bzw. Verteidiger hat den Autoren verdrängt. Diese kann dann meistens erst durchbrochen werden, wenn der „Hauptautor“ seine Wikipedia-Mitarbeit vorübergehend oder endgültig einstellt.

Autoren, gebt eure Artikel frei.

Advertisements

Über Liesel

Wikipedia-Autor
Dieser Beitrag wurde unter Wikipedia abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Hilfe ich bin ein Hauptautor

  1. Marcus Cyron schreibt:

    Nein. Ganz klipp und klar. Nein. Wenn ich viel Zeit und Energie – und zumindest indirekt auch Geld – in einen Artikel gesteckt habe, dann möchte ich nicht, daß von Regelwichsern, Katschubsern oder Überschriftsfernatikern die Form des Artikels, die ich mir ja weidlich überlegt habe, verändert wird. Ich möchte auch nicht, daß in diese „meine“ Artikel Literatur- oder Weblinkvorlagen verwendet werden – denn die sind derartige Ungetüme, daß gerade neuere (aber auch erfshrene) Autoren Probleme bei der Bearbeitung bekommen. Nicht selten führt die ganze Regelwichserei nämlich nicht zu einer Verbesserung. Ich akzeptiere nicht, daß in einem Artikel in dem ich ein Geburtsmonat „Januar“ angebe, Jemand daher kommt und „Jänner“ daraus macht, nur weil der Beschriebene Österreicher ist oder war (akzeptiere aber auch das Gegenteil nicht). Ich akzeptiere nicht, daß man in von mir geschriebene Artikel die Schwachsinnsvorlage „Schweizbezogen“ kloppt. Biografien mögen Schweizer beschreiben, sind aber nicht „Schweizbezogen“. Das wären Artikel zur Schweizer Politik, Geografie etc. Was mich hingegen weniger stört ist, wenn es inhaltliche Änderungen gibt (solange sie nicht objektiv Verschlechterungen sind). Es sei denn, sie werden lieblos in den Artikel geklatscht, der damit zu seinen Charakter als konsistenter Artikel verliert und zu einer Nummernrevue verkommt. So einfach, wie du es schreibst ist es nämlich alles nicht. Es ist gut, daß Erst- und Hauptautoren ein Auge auf die Artikel haben. Sonst würde es im Projekt schrecklich aussehen.

  2. stanzebla schreibt:

    Auch nein, da wird nicht nur das eine oder andere Bild reingetan, Tippfehler korrigiert und ein Absatz gemacht. Da wird auch gern der Aufbau geändert, etwas von der einen Ebene 2 Unterschrift in einen neuen Ebene 2 Abschnitt geräumt und darunter gar noch im Text ein Kommentar zur Blödheit des Autors gemacht aber zumindest ein paar kryptische Worte geschmiert. Du hast an anderer Stelle geschrieben, man soll die Arbeit der Fachleute anerkennen. Ja was denn nun, Arbeit der Fachleute anerkennen ausser sie sind Hauptautoren?

    In Bernay ist mir das passiert da stand dann sowas wie: „Sie verstehen das ganz falsch“ mitten im Text.

  3. alofok schreibt:

    Marcus hat es, bis auf die Wortwahl, sehr gut getroffen. Der Hauptautor ist der, der sich am meisten in dem Thema bei Wikipedia auskennen wird und hat somit Zugriff zu bestimmten Quellen. Er hat dadurch auch ein gewisses Vorrecht, er sollte zumindest mit entscheiden dürfen, an welcher Stelle sich die Einzelnachweise befinden. Auch Autorenvermerke (sprich: Kommentare -> ), die auf etwas hinweisen (bspw. „Das ist so“, „Die Quellen nennen keinen Namen hierzu“, „Die Einzelnachweise bleiben hier!“) sollten geduldet werden. Es wird ja niemand daran gehindert, am Inhalt etwas auszubessern, konkretisieren oder auszuweiten. Bei einem Neuling (erkennt ein Alteingesessener) verhält man sich grundsätzlich anders und erklärt es ihm in aller Ruhe. So mache ich das.

  4. Helmut Zenz - SDB schreibt:

    Naja, ein ganz so eindeutiges Nein kommt von mir nicht. Das beschriebene Phänomen gibt es durchaus, nur hängt das nicht mit der Eigenschaft „Hauptautor“ allein zusammen, sondern mit zwei anderen Phänomenen: Erstens der sich einen Artikel aneignenden inhaltlichen und stilistischen Komplettüberarbeitung durch einen „Fachmann“ bei einem bereits seit langem bestehendem Gemeinschaftsprodukt, so dass man von „Übernahme“ eines Artikels sprechen kann. Einwände der bisherigen Autoren werden dabei geflissentlich als unbedeutend abgetan. Das heißt am Ende kommt bei diesem Vorgehen ein durchaus lesenswerter oder exzellenter Artikel „aus einem Guß“ heraus, aber eben jenseits der jahre- und monatelangen Vorarbeit eines Autorenkollektivs und damit auch gegen das Wikiprinzip. Zweitens hängt es zuzsammen mit der meist wohl charakterlich bedingten Schwäche solcher Hauptautoren, anderen, auch Neulingen gegenüber elitaristisch aufzutreten und es dabei mit der Wikiqette nicht allzu genau zu nehmen. Ich schaue mir ganz gern das Sperrregister eines Hauptautors an, dann weiß ich woran ich bin, und kann die Konsequenzen ziehen, sprich: entweder mich – wie von Liesel beschrieben – aus einem Thema zurückzuziehen, „weil es eh keinen Sinn hat“ oder ich keinen Bock auf einen Ewigstreit habe, oder aber mich warm anzuziehen, weil es im Dagegenhalten dann meist heftig wird. Neuerdings fällt mir die in meinen Augen Unsitte auf, dass sich Hauptautoren mit langem Sperrregister (wg. persönlichen Angriffen und Edit-Wars) darüber beschweren, „gestalkt“ zu werden, um sich daraufhin einen neuen Account zuzulegen, Oder Hauptautoren, die sich zur Durchsetzung ihrer Interessen, Sockenpuppen zulegen, dabei auch vor Missbrauch nicht zurückschrecken, dauerhaft gesperrt werden, sie das aber – an sich auch kein Problem – nicht davon abhält, weiter als mit Namen signierender IP-Autor oder aber neuer Account aufzutreten. Immer natürlich sehr produktiv im Erstellen neuer, qualitativ guter Artikel. NUR ihr eigenes Fehlverhalten im Umgang ändern sie dabei keineswegs. Schuld an Auseinandersetzungen sind dann immer nur die „andern“, die zudem ja „keine Ahnung“ haben. Wikipedia braucht gute Hauptautoren, kann aber auf Hauptautoren gut verzichten, wenn diese gleichzeitig in die Rolle eines arroganten Oberlehrers schlüpfen. Gruß SDB

  5. H-stt schreibt:

    Ich schließe mich der Tendenz an, die sich da gerade entwickelt. Soweit ich mich als „Türsteher“ bezüglich Änderungen an Artikeln verstehe, dann nicht weil oder wo ich „Hauptautor“ bin. Sondern ich nehme diese Rolle da wahr, wo ich überlegene Kenntnis vom Artikelgegenstand habe. Natürlich fallen beide Bereiche oft zusammen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s