Nimm’s wie ein Mann

Im Webspace des WordPress-Bloges von Andreas Kemper ist ein Pamphlet unter dem Titel „Nimm’s wie ein Mann“: „Gender-Gehampel“ in der Wikipedia“ hinterlegt.

Was auf dem ersten Anschein den seriösen Anspruch einer Dokumentation von Sexismus in der Wikipedia erweckt, wird beim genaueren Hinschauen zu einem rein propagandistischen Machwerk mit der Absicht anderen Menschen zu schaden.

Ich mache mir nicht die Absicht, dieses Werk bis ins kleinste zu analysieren. Aber einige Anmerkungen sollten erlaubt sein.

  • Die Autoren (im folgenden A.) sind nicht bekannt, weder mit bürgerlichen Namen noch mit irgendeinem Pseudonym.
  • Es wird konsequent unterschieden zwischen Autor_innen und Admins. Angesichts dieser diskriminierenden Schreibweise gehen die A. davon aus, dass Admins immer männlich sind. Zumindest ist es nicht verwunderlich, dass die A. als Gegner des Generischen Maskulinums die männliche Form bei negativ besetzten Begriffen bevorzugt einsetzen.
  • Der Diderot-Club wurde nicht als Forum zur Bekämpfung von neonazistischen Aktivitäten gegründet. Der Diderot-Club I entstand im Januar 2008 im Umfeld der allgemeinen Unzufriedenheit mit den Aktionen einzelner Administrator_innen bzw. dem Umgangston einzelner Benutzer_innen. Aktiv wurde der DC I auch, als das Buchprojekt der Wikipedia mit dem „bösen“ Bertelsmann-Verlag bekannt wurde und die Gefahr einer Einflussnahme bestand. Schnell machten die unmöglichsten Verschwörungstheorien die Runde. Der Diderot-Club II entstand im März 2009. Auch hier stand nicht die Bekämpfung von neonazistischen Aktivitäten im Mittelpunkt. Stattdessen waren der deutsche Förderverein Wikimedia Deutschland e. V., Personen des Vereines sowie weitere Menschen Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Da ging es in den seltensten Fällen um konstruktive Kritik an bestimmten Vorgängen. Vielmehr wird immer wieder deutlich, dass die Hauptautor_innen der Seite vorsätzlich und gezielt versuchen das Ansehen des Vereines sowie einzelnen Personen nachhaltig zu schädigen und in Verruf zu bringen. In diesem Zusammenhang wird dann auch nicht vor dem Streuen unwahrer sexistischer oder privater Gerüchte zurückgeschreckt. Aber es ist schon bezeichnet, wie die A. versuchen den Diderot-Clubs eine antifaschistische Grundlage unterzuschieben und die Gegner der Clubs in die rechtsextreme Ecke zu schieben beabsichtigen.
  • Es gibt keinen Konflikt zwischen politisch konservativ eingestellten Autor_innen und den Autor_innen der Diderot-Seite. Es handelt sich vielmehr um einen Konflikt zwischen konstruktiven Enzyklopädie-Autor_innen und destruktiv agierenden Benutzer_innen.
  • Die Wikipedia ist keine zerstrittene Community. (S. 6) Es ist wie überall, dass es in einzelnen Bereichen einen mehr oder weniger großen Dissens gibt. Dabei aber von einer zerstrittenen Community zu sprechen entbehrt jeglicher Realität. Auf eine solche Sichtweise kann nur kommen, wer selber nur noch im Streit überall in der Wikipedia agiert.
  • Es wird kein Beweis für die Behauptung rbracht, dass die Situation zum Gender-Gap in der deutschsprachigen Wikipedia schlechter ist als in der englischsprachigen (S. 8).
  • Auf Grund der unterschiedlichen sprachlichen Gegebenheiten, gibt es z. B. in anderen Sprachen keine Unterscheidung zwischen männlichen und weiblichen Bezeichnungen.
  • Auch in der englischen (Feminists), der Wikipedia auf Afrikaans (Feministe) etc. werden Männer und Frauen in ein und dieselbe Kategorie einsortiert. Technische Lösungen für diese Problematik werden immer wieder angedacht. Da man auf der einen Seite keine getrennten Kategorien für Männer und Frauen wünscht, aber andererseits die Kategorien in den Artikeln geschlechtergerecht anpassen will, sind hier weitreichenden Änderungen notwendig. Anscheindend ist dieses Problem für Sue Gardner weniger wichtig als die Einführung von Zensurmaßnahmen.
  • Über die De-Administrierung haben seit der Einführung dieses Verfahrens 2005 nicht allein die Administrator_innen entschieden. Auf Initiative von 10 Benutzern konnte ein Abwahlverfahren initiiert werden. Einer der ersten der abgewählt wurde war der Hauptprotagonist des Diderot-Clubes der Benutzer:Simplicius. Hier das Abwahlverfahren.
  • Schließlich fällt noch auf, dass die A. konsequent zwischen Administrator_innen und Autor_innen unterscheiden. In der überwiegenden Anzahl der Fälle hat die Mehrzahl der Administrator_innen konstruktiv mehr zum Inhalt der Enzyklopädie beigetragen, als die vielfach von den Autoren so gerühmten „Autor_innen“.

Summarisch ist festzustellen, dass die Autoren dieser Aufsatzes selber nicht in der Lage sind die Situation diskriminierungsfrei zu erfassen und darzustellen. Der Verbesserung der Situation von Frauen in der Wikipedia wird dadurch ein Bärendienst erwiesen und eine Verbesserung des Gender-Gap wird nicht erreicht. Dazu finde ich es erschreckend, wie unter dem Vorwand der Verbesserung der Situation der Frauen in der Wikipedia, wohlwollend die Diskretitierung von Wikipedia-Autoren betrieben wird. Über die Gründe für dieses die Wikipedia nachhaltig schädigende Verhalten der A. kann man vielfältig spekulieren. Aber es dient in keinem Sinne den Frauen und in absolut keinem Sinne der Verbesserung der Wikipedia.

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Über Liesel

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8 Antworten zu Nimm’s wie ein Mann

  1. Marcus Cyron schreibt:

    Ich bin hin und her gerissen. Lob dafür, das gelesen und korrekterweise auseinander genommen zu haben oder Tadel, weil du dich überhaupt mit dem Unsinn befasst ;).

    Du kommst am Ende zu einem ähnlichen Schluss wie auch ich immer wieder bei diesen Diskussionen: statt der Sache zu dienen sind diese oft haltlosen Anwürfe nicht selten ausgerechnet männlicher Feministen (die armen Frauchen können oder dürfen offenbar nicht für sich selbst kämpfen) schaden mehr als sie nutzen. Denn rabiat wird hier ja vorgegangen, wie es eben angeblich Männer tun….

    Ich bin schon gespannt, welche Sau in zwei, drei Jahren durch das Projekt getrieben wird.

  2. Marcus Cyron schreibt:

    oh, da ist ein Satz etwas verrutscht. Aber der Sinn kommt wohl rüber.

  3. Pingback: Propagandistischen Machwerk mit der Absicht Menschen zu schaden unter dem Deckmantel der Sexismuskritik | Shtoink!

  4. Arcy schreibt:

    So schwarz-weiß gut-/ böse sieht die Welt meines Erachtens nun auch nicht aus. Kritik vom Dödel-Club war ab und an auch schon berechtigt (und oftmals völlig daneben) Destruktiv war sie deswegen noch lange nicht. Die Club-Seite ist auch nicht das Sprachrohr des Destruktivismus. Das würde bedeuten, die Seite völlig zu überschätzen. Ob nun mit oder ohne Dödel-Club. Ob mit oder ohne zwei,drei Dir missliebige User. Destruktive Autoren und Administratoren sowie Verhaltensweisen gab es schon zuvor wie auch danach. Auch ich hatte schon das Vergnügen, allein aufgrund der Tatsache, als IP geschrieben zu haben, von einem Administrator (-; ich sag jetzt nicht welcher 😉 als „feige IP“ angeschnauzt zu werden.

  5. Liesbeth schreibt:

    Liesel, du hast dich in der Sache „Gender-Gehampel“ als wahrer Feminist erwiesen. Von daher steht dir eine derart tiefschürfende Analyse, was „Frauen dient“ natürlich zu.

    Gruß
    Liesbeth

  6. Liesbeth schreibt:

    Diese Information ist zumindest sachlich formuliert.

  7. Pingback: Relevanzkriterienirrrelevanzqualitätsprioritäten | Sensiblochamaeleon's Blog

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