Teuer gebaut

Auf Zeit Online erschien ein Artikel zur immer wieder vorhandenen Kostenentwicklung bei Bauten der öffentlichen Hand.

Vieles in diesem Artikel ist richtig. Es werden aber auch viele weitere Möglichkeiten zur Kostenüberschreitung nicht erwähnt.

Zum einem kann es einen Unterschied zwischen der Kostenplanung durch den Architekten und den entsprechenden Haushaltsansätzen geben. Letztere fallen manchmal geringer aus, als die Kostenplanung des Architekten.  Grund dafür sind die fehlenden finanziellen Möglichkeiten. Um ein Projekt entsprechend im Haushalt darstellen zu können, wird eben etwas korrigiert. Entweder es geht am Ende auf oder es kommt von irgendwoher ein Nachschlag oder es wird was anderes gekürzt. Wie schon im Artikel erwähnt, ein unvollendetes Bauprojekt will keiner.

Ein weitere Punkt betrifft das Bauvorhaben selber. So werden die Architekten bzw. Ingenieure nach der HOAI bezahlt. Diese hat den Effekt, dass bei steigenden Kosten die Planer auch mehr Geld bekommen. Somit haben diese kaum Anreize, Einsparungen durchzusetzen.

Bei vielen staatlichen Baumaßnahmen erfolgen die Kostenaufgliederungen nach DIN 276. Die Ausschreibung erfolgt jedoch nach einzelnen Gewerken. Hier kommt es immer wieder zu Differenzen und Überschneidungen, so dass ein direkter Vergleich zwischen Planung, Ausschreibung und Abrechnung erschwert wird.

Einsparungen erfolgen auch bei den Planungen um die Kosten schon im Vorfeld zu drücken. Während der Bauausführung wird dann regelmäßig festgestellt, dass manche Sparmaßnahme unsinnig war und es erfolgen Umplanungen oder Nachträge, die regelmäßig teurer sind, als wenn es in der ursprünglichen Planung enthalten wäre.

Wenn es dann zu einem Bauverzug kommt, ist es auch wieder schwierig, entstandene Schäden einzufordern. Da hier ja nach dem Verursacher gesucht werden muss. Gerade bei komplexen Baumaßnahmen wie einen Flughafen ist es nicht immer einfach nachzuvollziehen, welches Unternehmen, Bauleiter etc. für den Bauverzug verantwortlich ist.

Und manchmal muss man einfach sagen, dass viele Bauvorhaben (vor allem die ganz großen), bei Beginn der Baumaßnahme noch nicht bis zum Schluss durchgeplant und durchgerechnet sind und viele Kosten einfach nur Schätzungen sind. Wahrscheinlich ist dies auch nicht möglich oder nur mit einem unverhältnismäßig hohem Aufwand an Zeit. Da es hier auch kaum Vergleichswerte gibt, ist es auch für die Ingenieur- und Architekturbüros schwierig hier immer richtig zu liegen.

Welche Möglichkeiten gibt es hier nun, um zu besseren Ergebnissen zu kommen?

  1. Ausreichende Mittelbereitstellung in den kommunalen Haushalten. D.h. realistischerweise sind weniger Vorhaben realisierbar als es der Bürger oder der Politiker wünscht
  2. Planungen die alle notwendigen Anforderungen und Wünschen gerecht wird, so dass es kaum zu nachträglichen Wünschen kommt
  3. Einkalkulierung von zusätzlichen noch unbekannten Kosten (Mancher Fördermittelgeber verbietet solche Positionen zur Verringerung des Finanzierungsrisikos)
  4. Striktes Einhalten der ursprünglichen Planungen und weitgehender Verzicht auf zusätzliche Forderungen durch den Bauherrn
  5. Honorare die auch Kosteneinsparungen belohnen
  6. Veröffentlichung der Leistungsverzeichnisse für die abgeschlossenen Bauverträge

Dies wird zwar nicht dazu führen, dass alle Baumaßnahmen günstiger abgeschlossen werden als geplant. Aber es ist zu erwarten, dass zumindest das Risiko einer Kostenüberschreitung sinkt. Jeder Bürger und Politiker sollte sich immer wieder bewusst sein, dass man einen Euro nur einmal ausgeben kann und man sich deshalb auch manchmal entscheiden muss, welches Vorhaben verwirklicht werden kann und welches nicht. In der freien Wirtschaft wird diese Entscheidung nach Wirtschaftlichkeitsaspekten getroffen. In Politik und Verwaltung sind dafür andere Maßstäbe anzusetzen. Aber solange jeder nur Sparsamkeit im Allgemeinen aber Freigiebigkeit im Besonderen fordert, ist das Problem nicht zu lösen.

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Über Liesel

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3 Antworten zu Teuer gebaut

  1. arcy schreibt:

    Wenn seitens der öffentlichen Hand niemand vorhanden ist, der eine Ausschreibung fachlich vornehmen und auswerten kann, dann wundert es nicht wenn es zu weiteren Kosten kommt.

    Das Ausschreibungen nach einzelnen Gewerken vergeben vergeben werden rührt zum einen daher, dass es den Mega-Monster-Schlag-Mich-Tot-Wir-Können-Alles-Und-Sind-Auch-Noch-Die-Besten.Bei-Allem i.d.R. nicht gibt und zum anderen eine monopolisierte Vergabe aus den diversesten Gründen (Risiko, regionale Wirtschaft, Arbeitsmarktpolitik, usw.) auch nicht gewünscht ist.

    Warum die HOAI eine Ursache für Kostensteigerungen sein soll ist mir nicht ersichtlich. Ein Kostenvoranschlag nach HOAI schreibt der öffentlichen Hand nicht vor was sie bauen soll. Es ist umgekehrt, es gibt eine Ausschreibung (z.B. Straße, 100 m etc.) zieht einen entsprechenden Kostenvoranschlag (nach HOAI) NACH sich.

    Grüße, Arcy

  2. Liesel schreibt:

    Hallo Arcy, ein Ingenieur der nach HOAI abrechnen (muss) hat gar kein Bestreben auf die Kosten zu achten. Je teurer es wird, um so mehr verdient er, da für die Leistungsphasen 8 und 9 (18%) des Honorars die Abrechnungssumme gilt. Auch bei den anderen Leistungsphasen gilt der Kostenvoranschlag. Ein Ingenieur muss also nicht mal die wirtschaftlichste Lösung für den Bauherrn wählen.

    Und eine Ausschreibung nach Gewerken ist auch nicht per se schlecht. Nur korrespondiert diese nicht mit den Vorgaben der DIN 276. Man kann wenn man eine Kostenaufstellung nach DIN 276 gemacht hat, nicht bei der Vergabe direkt schauen, ob z. B. das Angebot von Unternehmer xy der Kostenschätzung entspricht. Dies würde bedeuten, dass die Grundlage für die Kostenaufstellung nach DIN 276 ein durch das Ingenieurbüro bepreistes Leistungsverzeichnis ist. So etwas ist für eine Großbaustelle mit vielen Unwägbarkeiten relativ schwierig.

  3. arcy schreibt:

    Du magst recht haben, wenn bei einer Ausschreibung nur ein Ingenieur zugelassen wird. Der Normalfall ist dies bei Ausschreibungen sicherlich nicht. Ich habe in den neunziger Jahren selber schon nach HOAI angeboten sowie als Angestellter in einem Ingenieurbüro an der Erstellung und Auswertung von Ausschreibungen mitgearbeitet. Die HOAI ist nur eine Richtschnur für Angebote und diese können sich beträchtlich unterscheiden. Bei der Losvergabe entscheiden dann neben den Kostenunterschieden vor allem auch Qualitätskriterien.

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