Braucht Wikipedia Autoren?

Hauptautoren

Initiert durch einen Artikel des Accounts Nicola im wikipedia-internen Mitteilungsblatt „Kurier“ entstand folgerichtig auch eine Diskussion über Sinn und Unsinn von Autoren, Hauptautoren, Premiumautoren etc.

Die Diskussion ist nur ein Symptom für den derzeit in der Wikipedia tobenden Krieg der Benutzer.

Als Wikipedia 2001 begann, waren die Mehrzahl der Benutzer und Mitarbeiter Autoren von Artikel. Nur eine kleine Anzahl beschäftigte sich mit dem technischen Background, Vorlagen etc. Auch waren noch die technische Grundlagen für die Vorlagen und andere Sachen noch nicht ausgereift und mussten erst noch geschaffen werden.

Im Artikelbereich waren die Lücken scheunentor-groß. So konnten sich viele Autoren in ihrem Wissensbereich schnell und relativ einfach austoben. Mit der Zeit waren die Artikel zu den wichtigen Themen mehr oder weniger geschrieben. Nicht das diese Artikel jetzt perfekt sind, manche sind immer noch in einem ziemlich erbärmlichen Zustand. Aber sie sind vorhanden. So verlagerte sich die Aufmerksamkeit auf eher weniger wichtige Themen.

Das machte es natürlich auch für Neueinsteiger immer schwieriger ihren Platz zu finden. Schnell müssen sie sich auf irgendwelche Nischen legen. Wer da kein Faible dafür oder Wissen hat, kommt schnell an seine Grenzen. Er hat nun die Wahl, aufgeben oder sich eine neue Aufgabe suchen.

Schnell wird dann daraus jemand, der sich um Kategorisierungen, Rechtschreibfehlerbeseitigungen, Anpassungen an Formalien etc wird. Nicht das diese Tätigkeiten nicht wichtig sind. Nur sind sie wirklich zweitrangig. Ohne eine entsprechend große Textgrundlage hätten diese Mitarbeiter gar keine Arbeitsgrundlage. Inzwischen halten sich diese Mitarbeiter für wichtiger als die Autoren und beginnen, diesen entsprechende Vorschriften zur Artikelgestaltung zu machen.

Quantität statt Qualität

Dazu kommt dann noch ein weiterer Aspekt. Inzwischen setzen viele Benutzer immer mehr auf das Motto „Masse statt Klasse“. Statt zu einem Thema das Netz nach Informationen zu durchforsten und so möglichst einen guten Stub aufzusetzen, der schon mal die wichtigsten Punkte zu einem Thema abdeckt, wird ein Einzelfakt zum Artikel aufgeblasen. Das macht naturgemäß wenig Arbeit und so können manche Mitarbeiter innerhalb kurzer Zeit viele Artikel anlegen, die aber inhaltlich völlig mangelhaft, in vielen Fällen auf Grund dieser Arbeitsweise durch falsche Schwerpunktbildung grob verfälschend und somit mehr schadend als nützend sind.

Wird dann auf diese fehlende Qualität hingewiesen, kommt dann immer die Ausrede, dass man ja selber Informationen beibringen kann und so Stück für Stück ein Artikel entstehen würde. Nur leider gibt diese Ausrede nicht wieder, wie Wikipedia-Artikel wirklich entstehen. Besonders deutlich wird dies in den Löschdiskussionen. Viele Benutzer können nicht zwischen Löschungen aus Relevanzgründen bzw. Qualitätsgründen unterscheiden. Da wird selbst für inhaltsleeres Geschreibsel ein Behalten gefordert.

Dazu kommt dann noch der Hinweis, dass Wikipedia durch die Arbeit von vielen entsteht. Das mag für Wikipedia als ganzes gelten. Aber nicht für einzelne Artikel. Die Artikel werden in der Regel durch einen Autoren geschrieben und meist noch durch andere redigiert. Aber die Hauptarbeit liegt eben bei einer Person. Das Besondere der Wikipedia ist, dass Autoren aus den verschiedensten Bereichen am Gesamtwerk „Wikipedia“ arbeiten. Auf den einzelnen Artikel hat das meist wenig Auswirkung. In der Regeln nur, wenn es Artikel sind, die verschiedene Fachgebiete berühren.

Angesichts solcher Aussagen muss man sich nicht wundern, dass Artikelautoren in der Wikipedia so angefeindet werden. Wer nur nach Artikelzahlen schaut und dem die Inhalte egal sind. Dem sind natürlich Autoren die Inhalte schaffen wollen ein Graus. Eine Vielzahl von solchen Accounts bekämpfen regelrecht Autoren die auf Qualität achten. Angesichts dieser Kampagnen muss man sich nicht wundern, wenn demnächst Artikel von Bots erstellt werden. Die sind dann natürlich für Google und Co. leichter auslesbar. Es ist schon interessant, wohin solch ein Projekt driftet, wenn die Dummen, Faulen, Uninteressierten und Uninspirierten die Macht an sich gerissen haben.

Wikipedia braucht keine Aktionen um Artikel entsprechend den eigenen Kriterien „lesenswert“ oder „exzellent“ zu machen. Wikipedia bräuchte eine konzertierte Aktion die Qualität vor Quantität setzt und die Autoren vor Lektoren setzt.

Ich sehe derzeit keine Rettung für Wikipedia. Die Qualität wird weiter sinken und Wikipedia wird zu einer veraltetes und falsches Wissen vermittelnden Website degenerieren.

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Über Liesel

Wikipedia-Autor
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