Revolutionäre Ideen?

Auf der Benutzerdiskussionsseite von Olaf Simons fand ich eine interessante Diskussion.

Mal ein paar Anmerkungen meinerseits dazu. Ob jetzt die gesichteten Versionen wirklich so kontraproduktiv sind, möchte ich bezweifeln. Ja auch nach Jahren der Einführung der Sichtungen ist die Meinung noch immer gespalten. Ich kann mich aber an Diskussionen aus der Anfangszeit der Gesichteten Versionen erinnern, als argumentiert wurde, dass gerade im Wissenschaftsbetrieb es als „komisch“ angesehen wird, dass alle Änderungen sofort live gehen und niemand weiteres darüber schaut. Ich glaube hier haben wir es eher mit einem Kommunikationsproblem bezüglich der gesichteten Versionen zu tun. Natürlich wird grundsätzlich erstmal kein Vandalismus unterstellt, aber es ist auch nicht schwer zu begründen, dass bestimmte Edits (IPs, Neulinge) kontrolliert werden sollten. Wir haben einen relativ geringen Rückstand bei den Sichtungen was die Anzahl (ca. 7000 Artikel) aber einen hohen was die maximale Anzahl der Tage (ca. 14) betrifft. Hier sollte auf jeden Fall etwas passieren.

Was hilft es dem Leser wer der Autor eines Artikels ist? Die Namen der Autoren sagt nur den langjährigen Wikipedianern etwas und nur sie können einschätzen ob der Autor in diesem Thema über entsprechendes Wissen bzw. Können verfügt oder nicht. Die Frage der Autorennennung ist somit eher etwas für die Eitelkeit der Autoren. 😉
Um wirklich erkennen zu können, ob jemand in einem Gebiet entsprechende Kenntnisse hat, wäre es dann sinnvoll, wenn dem Leser entsprechende weiterführende Infos zum Autor geboten werden (hat auch geschrieben ….)
Man kann so etwas machen, nur wird es keine großen Auswirkungen auf die Wikipedia haben.

Die Abschaffung des „Neutral point of view“ (NPOV), „original research“ (OR) und der Relevanzkritierien sind verschiedene Punkte die nicht in einem Topf gehören.
Mit dem NPOV soll erreicht werden, dass bei den Themen eine gewisse Neutralität zum Thema gewahrt wird. Es geht eben nicht nur um kontroverse oder umstrittene Sachen. Auch der Artikel zu einem Fußballklub könnte nach Abschaffung des NPOV mehr nach Vergötterung als nach seriöser Information ausschauen. Ich halte deshalb die Abschaffung dieses Punktes nicht für sinnvoll, weil sie die Arbeit der Autoren erschwert und die Wartung der Artikel unmöglich macht.

Was bedeutet „original research“? Ursprünglich ging man davon aus, dass nur anerkanntes Wissen in die Wikipedia aufgenommen wird, d. h. vorhandenes wird wiedergekäut.
Inzwischen ist aber durch die Vielfalt der Themen und der Möglichkeit dazu zuschreiben insbesonders beim Zusammenstellen einzelner Fakten eine Art „Forschung“ entstanden. Ich denke da nur an die vielen Artikel im Bereich Geografie. Gerade dort wird erstmals eine umfassende Beschreibung von Orten, Gewässern, Bergen etc. geleistet, die in diesem Umfang bisher einmalig ist. In diesem Sinne kann man über die Abschaffung von OR nachdenken.
Schwieriger wird es aber wenn dieser eher beschreibende Bereich verlassen wird. Wie soll gewährleistet werden, dass eine These die jemand aufstellt und in der Wikipedia niederschreibt auch wirklich haltbar ist. Wo soll die Diskussion dazu stattfinden und wer soll das diskutieren?
Ich denke es wird nicht funktionieren, die Wissenschaft mit der Wikipedia zu fusionieren, so wie es Olaf Simons vorschwebt. Im Endeffekt wird das Diskussionsverhalten und das Diskussiongebahren in der Wikipedia die Wissenschaftler eher verschrecken. Und ein Diskussionsverbot oder ähnliches wird die Community nicht akzeptieren.

Die Abschaffung der Relevanzkritierien ist immer wieder umstritten. Dies aber vor allem deshalb, weil sie von vielen, auch Inklusionisten aus „Löschkriterien“ angesehen werden. Eine Abschaffung würde nur dazu führen, dass über viel mehr Artikel als jetzt diskutiert wird, da ja jeder Artikel potentiell irrelevant sein könnte.

Um Wikipedia für andere attraktiver zu machen ist es sinnvoll, die Diskussions- und Umgangskultur in der Wikipedia zu ändern. Immer mehr werden diejenigen, mit denen man nicht einer Meinung ist, die man (wegen was auch immer) beneidet, als Feinde gesehen, die aus der Wikipedia gedrängt werden müssen. Das dies so ist, sieht man ja deutlich an den zurückgehenden Autorenzahlen. Man muss es deutlich sagen, in der Wikipedia herscht Krieg.

Abschließend komme ich eigentlich zum Schluss, man kann über vieles debattieren, solange es nicht gelingt den Krieg in der Wikipedia zu beenden, wird sich die Situation nicht verbessern und wir werden auch keine neue Autoren oder Autorengruppen gewinnen.

 

 

 

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Über Liesel

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Eine Antwort zu Revolutionäre Ideen?

  1. Raimond Spekking schreibt:

    Gestern bin ich auf diesen Edit gestoßen: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Benutzer_Diskussion:Olaf_Simons/Nachdenken&diff=131189425&oldid=93942102 Er ist unabhängig von der Diskussion entstanden, auf die du sich hier beziehst. trotzdem lesenswert.

    Ein Wissenschaftlicher geht ausführlich auf eine Teil von Olafs Ideen ein

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